Ein Heiliges Jahr

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Ein Heiliges Jahr

Von Bbr, wHR i.R. Dipl.-Ing. Friedrich Birkner v. Dr.cer. Stamperl.

Papst Franziskus hat ein neues Heiliges Jahr in der katholischen Kirche angekündigt. Das sogenannte „Jubiläum der Barmherzigkeit“ soll von Dezember 2015 bis 20 November 2016 dauern, wie der Papst am Freitag 13. März 2015 bereits angekündigt hat.

Es ist ja sicherlich allen bekannt, dass das Kirchenjahr mit dem ersten Adventsonntag und nicht mit dem 1. Jänner beginnt. Daher begann auch das Heilige Jahr am 8. Dezember 2015.

Der Heilige Vater wünscht sich, dass das Heilige Jahr eine „neue Etappe auf dem Weg der Kirche“ sei, das Evangelium der Barmherzigkeit allen Menschen zu bringen, sagte er in seiner Predigt. Das letzte Heilige Jahr hatte Johannes Paul II im Jahr 2000 ausgerufen. Damals waren insgesamt rund 25 Millionen Pilger und Touristen nach Rom gekommen.

Turnusgemäß sind Heilige Jahre alle 25 Jahre vorgesehen. Das „Jubiläum der Barmherzigkeit“ ist damit ein außerordentliches Heiliges Jahr. Mit seiner Organisation ist der Päpstliche Rat zur Förderung der Neuevangelisierung betraut.

Das erste Heilige Jahr wurde 1300 von Papst Bonifaz VIII ausgerufen. Seit 1450 wird es alle 25 Jahre begangen. Der katholische Brauch leitet sich vom jüdischen Jubeljahr her, das nach dem biblischen Zeugnis alle 50 Jahre begangen wurde. In diesem Jahr sollten Schulden erlassen und Sklaven auf freien Fuß gesetzt werden. 

Die offizielle Ausrufung des Heiligen Jahres erfolgte am 12. April, an dem die Kirche Barmherzigkeitssonntag feierte. Der Papst hat an diesem Tag dann die Heilige Pforte des Petersdoms geöffnet und eine Bulle feierlich verlesen.

Am Eröffnungstag des Heiligen Jahres begeht die katholische Kirche zudem das Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens. Das Ende des Jahres fällt am 12. November mit dem Christkönigsfest zusammen, dem letzten Sonntag im liturgischen Jahr der katholischen Kirche.

Während des Heiligen Jahres sind Katholiken aufgerufen, nach Rom zu pilgern und in den dortigen Hauptkirchen Gottesdienst zu feiern und zu beten. Das Ziel ist die Stärkung des Glaubens.

Das Heilige Jahr sei auch eine „Einladung, das mit dem Konzil begonnene Werk fortzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung des Vatikans. Genau 50 Jahre vor dem geplanten Beginn des Kirchenjahres, am 8. Dezember 1965, war das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) zu Ende gegangen, das grundlegende Reformen in der katholischen Kirche angestoßen hatte.

Der Papst hat gesagt, dass zu überlegen sei, wie die Kirche ihre Mission, ihr Zeugnis der Barmherzigkeit überzeugend erfüllen könne. Es muss am Anfang eine spirituelle Umkehr stehen.

Im Vorfeld des Heiligen Jahres wurde eine Bischofssynode abgehalten, die sich besonders mit der Familienpastorale auseinandergesetzt hat. Verschiedenste Gremien in der Kirche, darunter auch die AKV, die Österreichische Pastoralkommission haben Papiere erarbeitet, wie aus ihrer Sicht eine innere Wandlung und ein neuer Aufbruch in der Kirche aussehen könnte.

Auf der Grundlage der Barmherzigkeit ist die Begleitung von Ehepaaren, die Frage des Umganges mit Geschiedenen und wiederverheirateten Paaren neu zu bedenken. Ist die Sexualmoral nach „humane vitae“ der Kirche heute noch sinnvoll und in der Form erforderlich? Kann die Kirche Familien auf ihrem Weg helfen und unterstützen?

Dabei muss darauf Bedacht genommen werden, dass die Sprache der Kirche so verändert werden sollte, dass sie von den Menschen auch verstanden werden kann. Denn nur dann ist eine Nachfolge möglich.

Eine große und schwere Aufgabe, die die Bischöfe in Rom bei der Synode hatten. Man durfte sich aber nicht erwarten, dass das Ergebnis der Synoden ein neues Rezept mit Lösungen darstellt. Sie kann nur ein neuer Anstoß sein und es besteht die große Gefahr, dass die Medien nach Abschluss der Synode diese sofort wieder schlecht reden, wenn nicht die von ihnen geforderte Liberalisierung plakativ kolportiert wird. Auch der so genannte große Wurf war  nicht zu erwarten, denn dieser wäre sehr vielfältig und wie ich aus den Vorbereitung persönlich erfahren habe verschieden wertig. Was für die eine Gruppe ein Problem darstellt, ist für eine andere Gruppe gar kein Thema. Wie schaut es nun aus, wenn Katholiken oder Bischöfe aus verschiedenen Kontinenten zusammentreffen und einen einheitlichen pastoralen Zugang beschließen sollen?

Als großer Erfolg bei der Bischofssynode kann erwähnt werden, dass viel deutlicher als beim II. Vaticanum die pastoralen Probleme angesprochen und oft sehr heftig diskutiert wurden. Beim Beispiel des Problems der geschiedenen Wiederverheirateten kann man am Ergebnis des Synode erkenne, dass diese Menschen nicht mehr automatisch exkommuniziert sind und im Einzelnen die Barmherzigkeit zum Tragen kommen soll. Die letztendliche Formulierung bzw. Weisung seitens des Hl. Vaters steht jedoch noch aus.

Unser Gebet um die Wirkung des heiligen Geistes kann und wird den weiteren Weg der Lehre und der pastoralen Tätigkeit der Repräsentanten in unserer Kirche unterstützen.

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