Vom Formulieren und Verstehen

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Vom Formulieren und Verstehen

Von Anglizismen und anderen Ausprägungen der Sprachvergewaltigung. Von Bbr. Robert Schmelzinger v. Marcus.

Ich will es vom Start weg gar nicht leugnen, meetings (wieso darf hier eigentlich nicht das Wort „Treffen“ verwendet werden?) müssen schon locker-flockig formuliert sein, damit sie beim jeweiligen Adressaten entsprechend aufmerksam registriert werden. Daher braucht es offenbar ein wenig mehr als eine simple Einladung, oder eine Ankündigung, die nüchtern sachlich gehalten darüber Auskunft gibt, worum es schlussendlich gehen soll. Doch womit zu jener Veranstaltung, die im Folgenden beschrieben wird, gelockt wurde, stellt vermutlich vieles, was bisher an Anglizismen und sonstiger pseudo-intellektueller Formulierungs-Ansammlungen bekannt war, in den Schatten.
Da wurde zum „get together“ mit der „new generation sales“ bei einem „meet & greet“ eingeladen.

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Bei der Gelegenheit, so wurde in diesem „sheet“ weiter geworben, gäbe es für die eingeladenen „high-potentials“ die wohl einzigartige Chance, mit dem neuen „CEO“(„ chief executive officer“) „zeitnahe“ „face to face“ über die „angedachten“ „strategic plannings“ diskutieren zu können, um damit den „organization’s process“ kennen zu lernen und besser verstehen zu können.
(Eine eingefügte Betrachtung zu der verwendeten Formulierung „angedacht“: Sie gibt uns ein Beispiel dafür, wie diese Formulierung, in jenem Zusammenhang, in dem sie verwendet wird, nicht funktioniert. Andenken kann gleichgesetzt werden mit der Wortbedeutung Souvenir oder aber wir können jemanden in Erinnerung, im Gedächtnis behalten, oder etwa jemandem ein liebevolles Andenken bewahren. Bei anderen Dingen, wie strategischen Überlegungen, ist es daher deplatziert. Wir können über etwas nachdenken, darüber unsere Überlegungen anstellen und anschließend das Ergebnis bekannt geben, verlautbaren, zur Kenntnis bringen und dergleichen, aber nicht, wie es in diesem Zusammenhang mittlerweile leider sehr häufig formuliert wird, „hinaus kommunizieren“. Zum Kommunizieren braucht es immer noch das Miteinander, so können beispielsweise zwei Gesprächspartner miteinander kommunizieren und bei der Gelegenheit über etwas oder zu einer bestimmten Angelegenheit ihre Eindrücke, Gedanken, Meinungen und Empfindungen austauschen. Es funktioniert allerdings nicht im Sinne einer firmeninternen Einwegs-Informations-Strategie, bei welcher der damit verfolgte Zweck einzig und allein darin besteht, in der mildesten Form, etwas bekannt zu geben, von der Intention her in den meisten Fällen allerdings die Absicht verfolgt wird, etwas Bestimmtes anzuordnen!)

Es wurde auch nicht verabsäumt, darauf hinzuweisen, dass der „support“ beim „reception counter“ durch die jungen „members“ des ortsansässigen „call-center-service“ übernommen werden wird, wobei man sich mit gleichem Schreiben vorab artig für deren Dienste bedankte. Gleichzeitig wurde unmissverständlich darauf hingewiesen, dass man sich von dem Angebot, das mit dem ausgewählten „pro center“ als perfektes „surrounding“ zur Verfügung stehe, einen entsprechenden „out-put“ erwarte, da man im Vorfeld durch intensive Zusammenarbeit der technischen Abteilungen mit den „korrespondierenden“ „IT“-Einheiten, bei den bereits „ausgerollten tools“ ein „upgegradetes design“ für „zukunftsgesicherte updates“ seitens der Unternehmensführung installiert haben will.

Auf gut Deutsch: Es treffen sich junge Verkaufstalente, um die Pläne ihres Unternehmens kennen zu lernen und am Abend in gemütlicher Atmosphäre mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden darüber diskutieren zu können.

Ist zwar nicht der „burner“, kommt aber irgendwie verständlicher rüber.